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Zimbel
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Zimbel (aus altgriechisch ÎșύΌÎČÎ±Î»ÎżÎœ kymbalon ĂŒber lateinisch cymbalum) und aus demselben Stamm abgeleitete Wortbildungen bezeichnen unterschiedliche Musikinstrumente oder Teile davon. Über das Wortumfeld „Zimbel“ sind Idiophone und Saiteninstrumente sprachlich und in gewisser Weise in ihrer Entwicklungsgeschichte miteinander verbunden:

1. verschiedene, aus kreisrunden aufgebogenen Metallplatten oder ausgehöhlten MetallgefĂ€ĂŸen bestehende Idiophone, wobei Zimbel synonym zu kleinen Becken verwendet wird,
2. im europÀischen Mittelalter mit einem HÀmmerchen angeschlagene Reihen von gestimmten Glocken
3. Saiteninstrumente wie das Cembalo und das Zymbal (auch Zimbal, ungarisch cimbalom), ein ungarisches Hackbrett,
4. zur Orgel gehörende Register und das mechanische Orgelspielwerk Zimbelstern sowie
5. sehr kleine oder tonhohe Glocken.

Contents

‱ Antike
‱ Mittelalter
‱ Becken
‱ Herkunft
‱ Handzimbeln
‱ Orgel
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Wortverbreitung

Etymologisch zu lateinisch cymbalum, genauer zum Plural cymbala, gehören althochdeutsch zimbala, das im 8. Jahrhundert belegt ist, mittelhochdeutsch der oder das zimbal und zimbel sowie die zimbele. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts heißt es frĂŒhneuhochdeutsch cimbal, cymbel, zymbel und zimbel sowie parallel mittelniederdeutsch simbalum, simbel(e), zimbell, zymbel und simele. Ins NiederlĂ€ndische ging das Wort als cimbaal und ins Altenglische als cimbal, ins heutige Englische als cymbal ein.cite-ref-1[1]

Antike

Aus der zypriotisch-archaischen Periode ist eine 600 bis 480 v. Chr. datierte Tonfigur erhalten, die stilistisch zu in biblischer Zeit in PalÀstina entstandenen, grob geformten Figuren von Menschen und Tieren gehört. Die Figur hÀlt zwischen beiden HÀnden eine senkrechte Scheibe vor der Brust, die als Rahmentrommel gedeutet wurde, aber von der Handhaltung eher einem geschlagenen Paarbecken (Handzimbeln) entspricht.cite-ref-2[2] WÀhrend eine Àhnliche Gruppe von Tonfiguren an ihren langen Haaren als Musikerin (Gottheit, Priesterin) erkennbar ist, die eine Rahmentrommel spielt, stellen die Becken schlagenden Figuren mit Kappen auf dem Kopf und teilweise mit BÀrten offensichtlich mÀnnliche Musiker dar. Die von Frauen geschlagenen Rahmentrommeln werden in der HebrÀischen Bibel als tof und Zimbeln als mesiltayim erwÀhnt.cite-ref-3[3]

Neben GefĂ€ĂŸrasseln aus Ton sind Bronzebecken aus dem eisenzeitlichen PalĂ€stina die von ArchĂ€ologen am hĂ€ufigsten ergrabenen Musikinstrumente. Die frĂŒhesten Funde von einzeln oder paarweise erhaltenen Zimbeln stammen aus dem 12./11. Jahrhundert v. Chr. Im Mischnatraktat Arachin heißt es, eine Bronzezimbel aus der Zeit von Mose sei kaputtgegangen und man habe Handwerker aus Alexandria in Ägypten herbeordert, aber ihre Reparatur hĂ€tte nicht geholfen. Erst nach Wiederherstellung des ursprĂŒnglichen Zustandes hĂ€tte die Zimbel wieder angenehm geklungen.cite-ref-4[4] Curt Sachs (1940) zufolge bedeutet diese Passage nicht, dass die Zimbeln aus Ägypten kamen, wo sie archĂ€ologisch erst seit der Zeitenwende gesichert sind.

Die Ă€lteste der biblischen Bezeichnungen fĂŒr metallene Schlaginstrumente ist selselim, die im Alten Testament nur im Plural fĂŒr etwas vorkommt, das bei einer religiösen Zeremonie zusammengeschlagen wird, möglicherweise war es eine metallene Rassel. Das Wort geht nach Curt Sachs (1940) auf das hebrĂ€ische Verb salal, „zusammenschlagen“, mit der Pluralendung -ayim zurĂŒck. Mit selselim sprachverwandt sind tĂŒrkisch zil und arabisch salasil fĂŒr Fingerzimbeln und sil-(sngan) fĂŒr in der tibetischen Ritualmusik gespielte Paarbecken.cite-ref-5[5]

Das mit „Zimbeln, Becken“ ĂŒbersetzte Wort mesiltayim erscheint im Alten Testament erst seit der nachexilischen Zeit (nach 600 v. Chr.). Das im Dual stehende mesiltayim hat einen onomatopoetischen Charakter und ist sprachlich ebenfalls mit selselim verbunden. Die Konsonantenwurzel des zugrundeliegenden Verbs ist slsl, „klingen, klingeln“. SĂ€mtliche Übersetzungen von mesiltayim bedeuten „Zimbeln, Becken“: ugaritisch mzlt, in der Septuaginta kymbalon und in der Vulgata cymbala. Das mesiltayim war ein Ritualinstrument, das nur von Leviten beim Tempeldienst verwendet wurde, niemals von Frauen.cite-ref-6[6]

Das altgriechische kymbalon (ÎșύΌÎČÎ±Î»ÎżÎœ, Plural ÎșύΌÎČαλα, kymbala) ist ein Diminutiv von kĂœmbos (ÎșύΌÎČÎżÏ‚), „HohlgefĂ€ĂŸ, Schale“. Das von kymbalon abgeleitete lateinische cymbalum wurde meist im Plural (cymbala) verwendet und bezeichnete kleine, paarweise zusammengeschlagene flache oder becherförmig aufgebogene Bronzeteller, die im Römischen Reich zusammen mit dem Rohrblattinstrument aulos und der Rahmentrommel tympanum in der religiösen Kultmusik, besonders in dem um 200 v. Chr. aus Kleinasien eingefĂŒhrten Kybele- und Attiskult verwendet wurden. Daneben gehörten cymbala mit hölzernen Klappern (krotala), Rahmentrommeln und Blasinstrumenten zur Tanzmusik in den Tavernen und auf den Straßen.cite-ref-grove-cymbalum-7-0[7]

An einer Stelle, in 1 Kor 13,1 , wird cymbalum im Neuen Testament als Zimbel erwĂ€hnt, zusammen mit einem „tönenden Erz“, womit entweder ein Gong oder ein Instrument zur VerstĂ€rkung der Stimme eines SĂ€ngers oder Schauspielers gemeint gewesen sein könnte.cite-ref-8[8]

Mittelalter

Die Bezeichnung fĂŒr ein alttestamentliches und in griechisch-römischen Kulten paarweise verwendetes Becken erhielt im Mittelalter eine andere Wortbedeutung. Das Wortumfeld „Zimbel“ fĂŒr ursprĂŒnglich gegeneinander geschlagene Idiophone stand nun fĂŒr eine Reihe kleiner Glocken, die von außen mit einem HĂ€mmerchen angeschlagen wurden. Auf Abbildungen ist ein einfaches Glockenspiel aus vier bis acht Glocken in einem Rahmen zu erkennen. Der wesentliche bedeutungsmĂ€ĂŸige Unterschied ist der Übergang von einem Rhythmusgeber mit unbestimmter Tonhöhe zu einem Melodieinstrument, das schriftlichen Quellen zufolge eine diatonische Tonfolge mit dem Grundton C produzierte und mit der Kirchenorgel zusammen eingesetzt werden konnte. In einem um 900 entstandenen Manuskript aus der Gegend von St. Gallen werden erstmals kleine Glocken als cymbala bezeichnet.cite-ref-9[9] Zum ĂŒblich werdenden Einsatz von Orgeln in Kirchen um das 12. Jahrhundert gehörten wie selbstverstĂ€ndlich auch cymbala, wie der lateinische Ausdruck organa cum cymbalis zeigt, bis die Glocken im spĂ€ten Mittelalter weniger verwendet wurden. Aus der Kombination von Orgeln und Zimbeln (Glocken) ging mit der Renaissance im 15. Jahrhundert die neue Bedeutung von cymbala als Orgelregister hervor.cite-ref-grove-cymbalum-7-1[7]

Cymbala war im Mittelalter die einzige Bezeichnung fĂŒr eine Reihe von in einem Rahmen aufgehĂ€ngten Glocken, was deren rituelle Bedeutung gegenĂŒber unterschiedlich benannten sonstigen Klangerzeugern hervorhebt. Über die spirituelle Bedeutung der Glocke hinaus waren die cymbala Symbole fĂŒr den christlichen Gottesdienst. Dies kommt in Psalm 150 („Das große Halleluja“) zum Ausdruck, wo es zum abschließenden Höhepunkt des Gotteslobes nach den zuvor genannten Musikinstrumenten heißt: „Lobet ihn mit hellen Zimbeln, lobet ihn mit klingenden Zimbeln!“ FrĂŒhe Kommentatoren dieses Psalms setzten die Zimbeln mit der Zunge und den Lippen (der betenden GlĂ€ubigen) gleich. Der römische Kirchenlehrer Augustinus von Hippo (354–430) formuliert dies so: Cymbala invicem se tangunt, ut sonent; idem a quibusdam labiis nostriis comparata sunt. („Die Becken berĂŒhren einander, so dass sie erklingen; eben dies lĂ€sst sich mit manchen von unseren Lippen vergleichen“). Augustinus meinte offenbar mit den cymbala die zu seiner Zeit wie heute verwendeten Becken, die gegeneinander geschlagen werden. SpĂ€tere Autoren ĂŒbernahmen diese Symbolik ohne erkennen zu lassen, ob entsprechende Zimbeln zu ihrer Zeit noch verwendet wurden. Der Ausdruck organa cum cymbalis ist auch in einem BegrĂŒĂŸungslied von 829 fĂŒr Walahfrid Strabo, den Abt des Klosters Reichenau enthalten.cite-ref-10[10]

Ein Wörterbuch des 10. Jahrhunderts ĂŒbersetzt mittellateinisch campana zu altenglisch cimbala.cite-ref-11[11] Anders als bei den mittellateinischen Bezeichnungen fĂŒr „Glocke“ wie campana und clocca gibt es fĂŒr cimbala/cymbala keine Wortzusammensetzungen oder abgeleiteten Wörter etwa in der Bedeutung „Glockenspieler“ oder „Glockenturm“. Aus den Texten geht auch nicht hervor, wie die cymbala verwendet wurden. Ab dem 11. Jahrhundert steht das Singularwort cymbalum gelegentlich fĂŒr die Stundenglocke oder die Glocke des Refektoriums in einem Kloster. In diesen FĂ€llen handelt es sich um einzelne Signalinstrumente und nicht um in Reihen aufgehĂ€ngte gestimmte Glocken. Die bis zu 15 Glocken in einer Reihe werden in einigen illuminierten Manuskripten vom 10. bis zum 14. Jahrhundert von David und einigen Begleitmusikern gespielt, wo sie den „Psalmeninstrumenten“ zugerechnet werden („Psalter“ und „Harfe“, in der hebrĂ€ischen Bibel eigentlich nevel und kinnor). HĂ€ufig finden sie sich in Miniaturen des E-Initials im Vulgata-Psalm 80 und in den Illustrationen der Sieben freien KĂŒnste (artes liberales). In schriftlichen Quellen kommen die Zimbeln dagegen seltener vor. Eine Ausnahme bildet die Sammlung musiktheoretischer Handschriften mensura cymbalorum, in denen die zuerst von Pythagoras anhand des Monochords erklĂ€rten physikalischen Gesetze der Tonbildung auf Saiteninstrumente, Blasinstrumente und Idiophone einschließlich Glöckchen angewandt werden.cite-ref-sachs-cymbala-12-0[12]

Nochmals werden cymbala in einem deutschen Lateinwörterbuch aus dem 15. Jahrhundert erwĂ€hnt: Cimbalum / cimbel est instrumentum habens multas campanellas 
, „Das cimbalum ist ein Instrument mit vielen Glocken...“.cite-ref-13[13] Der französische Gelehrte Jean Gerson (1363–1429) beschreibt hingegen in seinem in den 1420er Jahren verfassten mittellateinischen Tractatus de Canticis („Abhandlung ĂŒber die Lieder“) cymbala, „die erklingen, wenn sie zusammengeschlagen werden“, als Zimbeln nach heutigem VerstĂ€ndnis, die er von campanae (Kirchenglocken) und von campanulae pro melodia („kleine Glocken zum melodischen Spiel“) unterscheidet.cite-ref-14[14]

Ebenso schwer erklĂ€rlich wie die BedeutungverĂ€nderung des Wortumfelds „Zimbel“ von Gegenschlagbecken zu Glocke erscheint die Erweiterung der Bezeichnung auf Saiteninstrumente. Klaus-JĂŒrgen Sachs (2016) nimmt an, dass die Klangeigenschaften kleiner Glocken und damit der Name cymbala assoziativ auf Paarbecken (cymbales) und weiterhin auch auf Saiteninstrumente wie das clavicymbalum, VorlĂ€ufer des Cembalo, und das Hackbrett cimbalom (Zymbal) sowie auf das Orgelregister Zimbel, damit auf ein Blasinstrument, ĂŒbertragen wurden.cite-ref-sachs-cymbala-12-1[12] Der französische Musiktheoretiker Marin Mersenne (1588–1648) erwĂ€hnt in Harmonie universelle (1636) cymbale nicht nur als Orgelregister,cite-ref-15[15] sondern auch als Triangel mit Klirrringen.

In den Intermedien fĂŒr La pellegrina, musikalischen Zwischenspielen fĂŒr eine 1598 in Florenz aufgefĂŒhrte Komödie, wurde ein Musikinstrument namens cembalino verwendet, von dem unter Musikwissenschaftlern Uneinigkeit herrschte, ob es sich um gestimmte Glocken, ein kleines Tasteninstrument (als AbkĂŒrzung fĂŒr clavicembalo), ein Hackbrett oder – unwahrscheinlich – um eine kleine Rahmentrommel handelte. Nach wie vor unklar ist der Zeitpunkt, ab wann der italienische Name cembalo (mittellateinisch cymbala) nicht mehr gestimmte Glocken, sondern nur noch ein Tasteninstrument mit Saiten bezeichnete.cite-ref-16[16] Percival Price (1964) antwortet auf die Diskussion um die Doppelbedeutung des Namens cembalo, dass es einer Miniatur in den Cantigas de Santa Maria zufolge in der zweiten HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts bereits ein Musikinstrument gab, bei dem eine Reihe von Glocken ĂŒber Tasten angeschlagen wurden. Dieses Tasteninstrument hat nichts mit dem spĂ€ter eingefĂŒhrten Klaviaturglockenspiel zu tun, bei dem wie bei einem Glockenspiel Metallplatten angeschlagen werden, sondern lebt in den heute an Fassaden oder in KirchtĂŒrmen angebrachten Carillons fort.cite-ref-price-17-0[17]

Clavicymbalum oder clavicembalo (deutsch Klavizimbel) ist aus lateinisch clavis, „SchlĂŒssel“, dann mittellateinisch „Taste“, und lateinisch tympanum, „Rahmentrommel“, im Mittelalter das mit Klöppeln geschlagene Hackbrett, zusammengesetzt. Der Name tympanum fĂŒr das Hackbrett wurde zu cymbalum umgebildet, mit dem volksetymologischen Bezug auf den hellen Klang der beiden Schlaginstrumente.cite-ref-18[18] Cymbala und seine italienische Entsprechung cembalo durchliefen somit eine Entwicklung von einer Reihe mit einem HĂ€mmerchen in der Hand angeschlagenen Glocken zum selben, mit einer Tastatur bedienten Musikinstrument und von einem Hackbrett, bei dem die Saiten von HĂ€mmerchen in den HĂ€nden angeschlagen werden, zu einem Tasteninstrument mit mechanisch angerissenen Saiten. Der Übergang von Glocken zu Saiten fĂŒhrte zunĂ€chst zu einfacheren und preisgĂŒnstigeren Musikinstrumenten und bald zu den neuen klanglichen Möglichkeiten des Cembalos.cite-ref-price-17-1[17]

Becken

Zimbel in der Bedeutung von „Becken“ steht im Deutschen ĂŒblicherweise fĂŒr gegeneinander geschlagene kleine Paarbecken, wĂ€hrend das englische cymbal, das französische cymbale und das lautmalerische italienische cinelli generell Becken jeder GrĂ¶ĂŸe bezeichnen. Letzteres Wort gelangte als Tschinellen in die österreichische und sĂŒddeutsche Umgangssprache. Die frĂŒher auch im Deutschen gebrĂ€uchliche Schreibweise Cymbalcite-ref-19[19] ist veraltet.

Herkunft

Der Ursprung der Zimbeln hĂ€ngt mit der Herstellung von Bronze zusammen und wird in China, Indien oder dem Nahen Osten vermutet.cite-ref-20[20] Im Alten Testament werden mehrfach in Psalmen die Musikinstrumente des israelitischen Tempelkults erwĂ€hnt, zu denen neben den beiden Leiern (kinnor und nevel) Trommeln (tuppim), Trompeten (chasosrah), Hörner (schofar), SchĂŒttelidiophone aus Ton (menaaneim), Klappern (?) (asey broschim) und Zimbeln (mesiltayim) gehörten.cite-ref-21[21] Im antiken Griechenland waren die kymbala metallene Becken, die gelegentlich in den Ritualen fĂŒr die Göttinnen Artemis, Athene und Persephone gebraucht wurden.cite-ref-22[22] Das cymbalum (auch tintinnabulum) in lateinischen Texten bezeichnete nicht Becken, sondern Handglocken, die ursprĂŒnglich lediglich bei WettkĂ€mpfen als Signalinstrumente verwendet wurden.cite-ref-23[23] In griechischer und römischer Zeit war in der dionysischen Kultmusik das Zusammenspiel von Zimbeln und gedoppelten Rohrblattinstrumenten auloi, seltener mit Querflöten plagiauloi, beliebt.cite-ref-24[24] Mehrere Darstellungen von römischen TĂ€nzerinnen mit Fingerzimbeln sind unter anderem auf Mosaiken aus Rom, Belgien und Bulgarien zu finden.cite-ref-25[25]

Klassifizierung

Becken werden nach der Hornbostel-Sachs-Systematik als „ausgebogene GefĂ€ĂŸklappern“ definiert und bilden dort eine Untergruppe der Gegenschlag-Idiophone oder Klappern, also zweier selbstklingender Teile, die gegeneinander geschlagen werden. Mit „ausgebogen“ sind flach gewölbte Platten gemeint, die von den schalenförmigen Körpern, also den „ausgehöhlten GefĂ€ĂŸklappern“ unterschieden werden. Eindeutig zur ersten Gruppe können die Paarbecken gezĂ€hlt werden, die in vielen Kulturen in der Unterhaltungsmusik und rituellen Musik eingesetzt werden. Handzimbeln heißen diese Instrumente, weil sie mit beiden HĂ€nden zusammengeschlagen werden. Eine Sonderform stellen die crotales (auch antike Zimbeln, italienisch crotali oder cimbali antichi) dar, die aus einer Reihe von gestimmten kreisrunden flachen Bronze- oder Messingplatten bestehen. Zur zweiten Gruppe der Gegenschlag-Idiophone gehören kleinere Hohlformen wie die meist hölzernen, in der spanischen Tanzmusik unentbehrlichen Kastagnetten oder die eisernen, im Maghreb gespielten qaraqib (Singular qarqaba).

Nach der Hornbostel-Sachs-Systematik werden unter dem Begriff Becken nur die paarweise gespielten Platten unabhĂ€ngig von ihrem Material zusammengefasst. Außerhalb dieser Einteilung versteht man heute unter Becken Aufschlagidiophone, genauer, die mit nichtklingenden Werkzeugen wie SchlĂ€geln, Besen oder den HĂ€nden geschlagenen, einzeln aufgehĂ€ngten Metallplatten, sowie die paarweise an einem StĂ€nder befestigten und mit einem Pedal bedienten Hi-Hat beim Schlagzeug. Das Wort Zimbel hat im Deutschen gegenĂŒber dem englischen cymbal eine Eingrenzung erfahren, indem es ĂŒberwiegend als Kurzform fĂŒr Handzimbel (Paarbecken) oder fĂŒr sehr kleine Becken verwendet wird, die an zwei Fingern befestigt mit einer Hand zusammengeschlagen werden und aus Metall bestehen.

Zimbeln, die an den Enden zweier federnder MetallbĂŒgel befestigt sind und durch ZusammendrĂŒcken der BĂŒgel geschlagen werden, heißen Gabelbecken. Ein typisches Gabelbecken ist die chimta im nordwestlichen Indien.

Handzimbeln

Die mit beiden HĂ€nden gespielten Becken besitzen in der Mitte einen Buckel mit einem kleinen Loch oder eine Öse, durch die eine Schnur oder ein Lederband gezogen ist, an dem sie festgehalten werden. Im Artikel Paarbecken werden sie ausfĂŒhrlich behandelt.

Tingsha sind kleine, mit Tibet assoziierte Zimbeln aus dem Esoterikbereich, die ĂŒber ein Lederband miteinander verbunden sind und mit beiden HĂ€nden an den RĂ€ndern angeschlagen werden. In der tibetischen Musik werden nur die kleinen, flach gebuckelten Becken sil sngan (sil-snyan) gespielt. Sie werden wie praktisch alle Handzimbeln senkrecht gehalten.

Die in China hĂ€ufigeren Paarbecken bo sind an ihrem breiten Rundbuckel in der Mitte erkennbar. Der Durchmesser der in der Peking-Oper verwendeten jingbo betrĂ€gt 15–20 Zentimeter. Hiervon unterscheiden sich die mit typischerweise 40–65 Zentimetern grĂ¶ĂŸeren nao mit einem kleinen rechtwinkligen Buckel in der Mitte.cite-ref-26[26]

Ceng-ceng sind kleine bronzene Becken, die in den Gamelans von Bali und in der Musik von Lombok gespielt werden. Ching heißen Messingzimbeln, die in der thailĂ€ndischen klassischen Musik den Takt halten und zusammen mit einzelnen Gongs (khong) die Rhythmusgruppe bilden. Im Mor Lam im Nordosten Thailands (Isan) und in Laos begleiten sie in dieser Funktion die Mundorgel khaen.

In Indien werden abgesehen von den bartal im Nordosten selten große Becken gebraucht. In devotionalen Gesangsstilen (bhajan und kirtan), zur Begleitung von VolkstĂ€nzen und in den GesĂ€ngen von Bettlern geben kleine, mit einer Schnur verbundene Zimbeln den Rhythmus fĂŒr den SĂ€nger vor. Die am hĂ€ufigsten verwendeten kleinen Zimbeln sind schalenförmig und haben Durchmesser bis zu fĂŒnf Zentimeter. Die Namen indischer Zimbeln sind regional unterschiedlich: Kleinere heißen manjira, jalra, jhallari, kartal, elathalam oder kulittalam, grĂ¶ĂŸere Zimbeln jhanj, jhallari, brhattalam oder brahmatalam.cite-ref-27[27] Die allgemeine Bezeichnung fĂŒr indische Zimbeln, tal, taal, tali oder talam, ist von Sanskrit tala („HandflĂ€che, klatschen, Metrum“) hergeleitet.cite-ref-28[28] Tala bedeutet die rhythmische Struktur der indischen Musik.cite-ref-29[29]

Fingerzimbeln

Bei diesen kleinen Zimbeln kommt es nicht darauf an, ob sie ausgehöhlt oder ausgebogen sind. Nach der Spielweise werden sie auch genauer als Fingerzimbeln (englisch finger cymbals) bezeichnet. WĂ€hrend Handzimbeln nur bei der Prozessionsmusik mitgetragen werden können, sind die auch in schneller Bewegung spielbaren kleineren Fingerzimbeln bei vielen orientalischen TĂ€nzen im Einsatz. Fingerzimbeln werden ĂŒblicherweise vierteilig an Daumen und Mittelfinger beider HĂ€nde zugleich gespielt.

Vom Maghreb bis in den Orient gibt es zahlreiche Frauen-GruppentĂ€nze, die zur Unterhaltung, bei Hochzeiten und anderen festlichen AnlĂ€ssen aufgefĂŒhrt werden. FrauentĂ€nze spielen auch in volksislamischen Zeremonien eine große Rolle. In Marokko und Tunesien erzeugen die TĂ€nzerinnen bei den Derdeba- bzw. Stambali-Tanzzeremonien den Rhythmus mit qaraqib, weiter östlich werden diese Eisenklappern durch Zimbeln ersetzt, die in Ägypten sagat (sāǧāt), in der TĂŒrkei zil und im Iran und im sĂŒdlichen Zentralasien zang genannt werden. In osmanischer Zeit klapperten çengi genannte TĂ€nzerinnen mit Kastagnetten (çarpara); tanzten sie mit Fingerzimbeln, hießen die Frauen kĂąsebaz.cite-ref-30[30]

Eine besondere Klasse von SĂ€ngerinnen und TĂ€nzerinnen, die gawāzÄ« (Singular gāziya) genannt wurden und teilweise ihren Beruf mit Prostitution kombinierten, trat im 19. Jahrhundert in Ă€gyptischen StĂ€dten bei Familienfeiern und zur Unterhaltung von MĂ€nnern in den HĂ€usern auf, ferner auf JahrmĂ€rkten anlĂ€sslich der Wallfahrt zusammen mit Wahrsagerinnen und Gauklern. Auf zeitgenössischen Abbildungen sind sie mit sāgāt in den HĂ€nden und freizĂŒgig bekleidet zu sehen. EuropĂ€ische Reisende berichteten empört ĂŒber die Sittenlosigkeit. 1834 verbot die Ă€gyptische Regierung die öffentlichen Straßenauftritte dieser gesellschaftlich verachteten, aber hĂ€ufig wirtschaftlich erfolgreichen Frauen. Im Unterschied zu den unverschleierten gawāzÄ« galten die Êżawālim (Singular ÊżÄlima) als sittsame und gebildete SĂ€ngerinnen. Ihnen war auch der Zugang zu den HerrenhĂ€usern erlaubt, wo sie gegen hohe Entlohnung hinter einer Trennwand die GĂ€ste unterhielten. TĂ€nzerinnen in Ă€gyptischen StĂ€dten werden heute unterschiedslos als Êżalma bezeichnet.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32] MĂ€nnliche TĂ€nzer und sāgāt-Spieler, die in Ägypten bei Zar-Kulten teilnehmen, heißen abĆ« ÊŸl-gēt. Hierbei soll ein ĂŒberwiegend Frauen besessen machender Geist besĂ€nftigt werden. Jeder Geist wird mit der fĂŒr ihn charakteristischen Musik angesprochen. Neben MĂ€nnern mit sāgāt und der LĂ€ngsflöte nay spielen Frauen die Rahmentrommeln mazhar und riq sowie die Bechertrommel darbuka.cite-ref-33[33]

Bei UnterhaltungstĂ€nzen verwendete Fingerzimbeln in der koreanischen Kultur aus leicht gebogenem Messing oder Bronze heißen tongbal. GrĂ¶ĂŸere Handzimbeln (chabara) kommen dort bei buddhistischen Zeremonien zum Einsatz.

Saiteninstrumente

Das Cembalo gehört zu den zusammenfassend als Zupfklavier bezeichneten Tasteninstrumenten, bei denen die Saiten mit einem Plektrum angerissen werden. Eine andere Bezeichnung ist Kielklavier, weil das Plektrum meistens aus einem Vogelkiel hergestellt wird.

Das europĂ€ische mittelalterliche Hackbrett hat die Bauform einer Kastenzither, die im Nahen Osten entwickelt wurde und in der persischen Musik als santur bekannt ist. Eine vergrĂ¶ĂŸerte Weiterentwicklung in Ungarn stellt das Zymbal (cimbalom) dar. Wann der Name cimbalom in die ungarische Sprache einging, ist unklar. Die beiden Varianten des cimbalom heißen kiscimbalom („kleines Hackbrett“) und nagycimbalom („großes Hackbrett“), letzteres wurde in den 1870er Jahren aus dem kleinen Hackbrett entwickelt. Der ungarische Name cimbalom taucht erstmals in der BibelĂŒbersetzung BĂ©csi kĂłdex aus dem 15. Jahrhundert auf. Darin bezeichnet cimbalom noch ein Beckenpaar, hebrĂ€isch mesiltayim. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts wird unter cimbalom ein Hackbrett verstanden.cite-ref-34[34] So wird 1564 ein Hackbrettspieler namens Emericus literatus Cymbalista erwĂ€hnt und 1578 verwendet Bischof PĂ©ter Bornemisza das Wort cimbalom fĂŒr „Hackbrett“. Im Jahr 1596 berichtet der kroatische Graf Juraj Zrinski (ungarisch ZrĂ­nyi György) von zwei in PĂ©cs aufgegriffenen Zigeunermusikern, von denen einer ein czimbaliom nicht mit Klöppeln schlug, sondern dessen Saiten mit den Fingern zupfte.cite-ref-35[35]

Aus dem ungarischen cimbalom gelangte der Instrumentenname fĂŒr Glocke oder Hackbrett in mehrere slawische Sprachen: russisch cymbĂĄly (Ń†Ń‹ĐŒĐ±Đ°Đ»Ń‹, „Hackbrett“), polnisch cymbaly („Hackbrett“), tschechisch cymbĂĄl, meist im Plural cymbĂĄly (in der Hand gehaltene klöppellose Glocke) und slowakisch cimbal („Hackbrett“, Hackbrettspieler cimbalista). Im 18. und 19. Jahrhundert bezeichneten slowakisch cimbale, cimbaly oder cymbalky meist Glocken oder Becken.cite-ref-36[36] In die rumĂ€nische Sprache wurde der Name des Hackbretts als ĆŁambal (auch ĆŁimbală, ĆŁĂźmbulă, ĆŁimblon) in RumĂ€nien und als ĆŁimbal in der Republik Moldau ĂŒbernommen.cite-ref-37[37]

Parallelen fĂŒr die Namensgleichheit von Musikinstrumenten unterschiedlicher Kategorien finden sich unter anderem im Arabischen. In der frĂŒhen arabischen Literatur wird jede Art von Becken (Glocke, Klapper) als sandsch (sanǧ, Plural sunƫǧ) bezeichnet. Die Quellen berichten, das Wort stamme aus dem Persischen und das Instrument sei seit vorislamischer Zeit bekannt. Sandsch ist von persisch tschang (čang) abgeleitet, das auch „Harfe“ bedeutet.cite-ref-38[38] Zum Bedeutungsumfeld von kĆ«ba gehörten sowohl die arabische Trommel áč­abl als auch die Saiteninstrumente al-ÊżĆ«d und barbat. In einem anderen Fall bezeichnet ein arabischer Begriff gleichermaßen Blasinstrumente und Saiteninstrumente. Auf den Konsonantenstamm z-m-r gehen sowohl das Rohrblattinstrument mizmār als auch ein Saiteninstrument namens zamr (Plural zumĆ«r) zurĂŒck. In der arabischen Musik richten sich die Namen der Musikinstrumente weniger nach der Art der Tonerzeugung, sondern nach ihrer musikalischen Funktion. Dies macht fĂŒr den arabischen Raum die NamensĂ€hnlichkeit unterschiedlicher Instrumentengattungen erklĂ€rbar.cite-ref-39[39]

Orgel

Ein Orgelregister mit der höchsten Mixturstimme wird Zimbel genannt. Ihr Klang soll „glitzernd“ sein. Ein ebenfalls sehr hoch tönendes Register ist das Scharf. Eine weitere Bezeichnung fĂŒr ein die Klangkrone bildendes Register ist Scharfzimbel oder Zimbelscharf (Zymbel-Scharf) oder Großzymbel.cite-ref-40[40] In Katalonien erhielten die ab 1540 gebauten Orgeln ein katalanisch simbals oder simbalete genanntes Zimbelregister. Ab etwa 1630 erscheint in Spanien die Bezeichnung cimbala fĂŒr das Zimbelregister.cite-ref-41[41]

Der Zimbelstern ist ein Effektregister bei Àlteren oder historisch informiert gebauten neuen Orgeln. Er besteht aus einem sich im Kreis drehenden Glöckchenkranz, von dem er seinen Namen erhalten hat.

Kirchenglocken

In der Campanologie (Glockenkunde) werden sehr kleine und tonhohe Kirchenglocken als Zimbeln bezeichnet. Die Zusammenstellung mehrerer Zimbelglocken bezeichnet man als ZimbelgelĂ€ut. Meistens sind Zimbelglocken in extrem schweren Rippen (WandungsstĂ€rke) gegossen, besonders dann, wenn sie einen tontieferen GelĂ€utesatz als Klangkrone ergĂ€nzen. Die damit erreichte dynamische Ausgewogenheit zwischen den großen Glocken und den Zimbelglocken nennt man Rippenprogression.

Literatur

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‱ Helene La Rue: The Problem of the Cymbala. In: The Galpin Society Journal, Band 35, MĂ€rz 1982, S. 86–99.
‱ Klaus-JĂŒrgen Sachs: Cymbala. In: Laurenz LĂŒtteken (Hrsg.): MGG Online (Abonnement erforderlich).

Weblinks

Wiktionary: Zimbel

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Wolfgang Pfeifer: Zimbel, die. In: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Digitalisiert im DWDS
cite-note-22. ↑ Standing tambourine player. Sammlung des Metropolitan Museum of Art, 74.51.1675
cite-note-33. ↑ Carol L. Meyers: Of Drums and Damsels: Women’s Performance in Ancient Israel. In: The Biblical Archaeologist, Band 54, Nr. 1', MĂ€rz 1991, S. 16–27, hier S. 17–19
cite-note-44. ↑ Arachin – 2a-34a. halakhah.com, S. 37
cite-note-55. ↑ Curt Sachs: The History of Musical Instruments. W. W. Norton Company, New York 1940, S. 122
cite-note-66. ↑ Joachim Braun: Biblical instruments. 3. Old Testament instruments. (vi) MeáčŁiltayim and áčŁeláčŁelim. In: Grove Music Online, 2001; vgl. Joachim Braun: Die Musikkultur Altisraels/PalĂ€stinas: Studien zu archĂ€ologischen, schriftlichen und vergleichenden Quellen. (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts fĂŒr Geschichte). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1999, S. 97–100
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cite-note-88. ↑ Joachim Braun: Biblical instruments. 4. New Testament instruments. (iv) Cymbalon. In: Grove Music Online, 2001
cite-note-99. ↑ James W. McKinnon, HĂ©lĂšne La Rue: Cymbala. In: Grove Music Online, 2001
cite-note-1010. ↑ Helene La Rue, 1982, S. 86f
cite-note-1111. ↑ Thomas Wright: Anglo-Saxon and Old English Vocabularies. Band 1: Vocabularies. TrĂŒbner & Co., Ludgate Hill, London 1884, S. 198
cite-note-sachs-cymbala-1212. ↑ Klaus-JĂŒrgen Sachs: Cymbala, 2016
cite-note-1313. ↑ Helene La Rue, 1982, S. 89f, 93, 96
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